Mittelalterliche Musiktheorie

In der Musik des Mittelalters sind zwei große Abschnitte zu erkennen und zu unterscheiden.
1) Monophone Musik
2) Polyphone Musik

Monophone Musik

Monophon bedeutet einstimmig.Diese musik entspringt den Hebräischen und grichischen Musikkulturen, und war in den ersten Jahrhunderten abendländischer Kultur nach Einführung des Christentums prägend für die Musiktheorie. Der bekannteste und auch heute in christlichen Kulthandlungen noch verwendete Vertreter dieser Richtung ist der gregorianischen Gesang/Choral.

Der gregorianische Choral

Neben der eistimmigkeit hat der Gregorianische Choral noch eine besonderheit. Er wird nicht instrumental begleitet. Man unterscheidet zwei Vortragsarten: Accentus und Concentus

Der accentus entspringt aus der hebräischen Tradition und ist eigentlich eine lithurgische Rezitation religiöser Texte.Syllabisch bleibt er fortwährend auf einem Ton, der Ténor (=der Gehaltene) genannt wird. Nur der Anfang, die Mitte und das Ende eines Verses bilden eine Ausnahme, indem sie mittels kleinen Melodischen Bewegungen eine leichte Betonung erfahren. Folgene Bewegungen sind möglich:

Initium: Aufstieg zum Tenor am Anfang eines Satzes
Punktum: Abstieg zur Finalis am Ende eines Satzes
Flexa: Bei Komma
Metrum: Bei Semikolon oder Doppelpunkt
Interrogatio: Bei Fragezeichen
Mediatio: Bei Feierlichen Gesängen zwischen Metrum und Flexa
Einwürfe des Volkes (z.B. Amen) nennt man Acclamationen

Der Conectus dagegen ist melodisch und wird in drei Stile unterteilt

Syllabisch -eine Note für jede Silbe des Textes
Neumatisch -mehrere Noten für einzelne Silben
Melismatisch -reiche melodische Floskeln für einzelne Silben

Modi-Kirchentonarten

Die frühe Mittelalterliche Musiktheorie folgte mit der Nutzung der 8 Diatonischen Tonleitern der grichischen Musiktheorie. Das bedeutet, das keine absoluten Tonhöhen angegeben wurden, sondern nur die relative Stufenhöhe innerhalb einer Oktave. Das Muster/die Melodie kann also von jedem Ton aus aufgebaut werden. Die Tonleitern wurden in authentische und plagale Modi unterteilt. Man begann den authentischen Modus Dorischauf dem Ton d, Phrygisch auf e, Lydisch auf f, Mixolydisch auf g.

Charakteristisch für die kirchlichen Modi sind auch folgende Merkmale:

Ambitus der Umfang der Melodie, die sich meist innerhalb einer Oktave bewegt
Finalis der letzte Ton einer Melodie, eine Art Grundton
Repercussio (auch Tuba oder Tenor genannt) ist eine Art Rezitationston, und liegt bei authentischen Modi meist eine Quinte über der Finalis (Ausnahme ist Phrygisch mit einer Sexten)

Zu jedem authentischen Modus gibt es eine plagale Tonart mit derselben Finalis. Plagales ist hier mit unecht , Falsch zu übersetzen. Gekennzeichnet werden die Plagalen Tonarten, indem die Vorsilbe hypo eingefügt wird. der Umfang der Tonleiter verschiebt sie hier um eine Quarte nach unten, so daß der Finalis in die Mitte der Tonleiter verschoben wird.
Im 16. Jahrhundert wurden die Mittelalterlichen Modi um neue ergänzt: Heinrich Glarean unterschied in seinem Dodekachordon (Basel, 1547) zwischen

Äolisch, auch cantus mollis der vom Ton a aufgebaut zu unserem modernen Moll wurde und
Jonisch, auch cantus durur, der vom Ton c aufgebaut zu unserem heutigen Dur wurde.

Fortsetzung folgt                                                                                   

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